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Alt 28.06.2006, 22:40   refluxoesophagitis Beitrag #1
strawberry
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 19.05.2006
Beiträge: 3
Standard refluxoesophagitis

liebe experten!

wie ein recht großer teil meiner familie leide auch ich unter refluxoesophagitis.
leider konnte mir bisher niemand wirklich auskunft darüber geben inwieweit ich mich der krankheit bezüglich am bestmöglichen ernähren kann. festgestellt habe ich allerdings, dass ich am wenigsten beschwerden habe wenn ich kleinere mahlzeiten, dafür in kürzeren abschnitten esse, ausserdem ist es angenehmer nichts zu den mahlzeiten oder auch direkt im anschluss zu trinken (keine großen mengen zumindest). mich würde sehr interessieren, auf welche nahrungsmittel ich vielleicht eher verzichten sollte, um meine speiseröhre nicht unnötig anzugreifen. für antworten rund ums thema wäre ich sehr dankbar.lg
strawberry ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.06.2006, 17:56   refluxoesophagitis Beitrag #2
kugelblitz
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 23.03.2006
Beiträge: 7
Standard vielleicht hilft dir das!

mache eine ausbildung zur pta, habe mal ein referat über sodbrennen/ refluxösophagitis gehalten u.a. mit Ernährungstipps! schaus dir einfach mal an!




1. Was versteht man unter Sodbrennen?

Sodbrennen selbst ist keine Krankheit - sondern ein Symptom, das Hauptanzeichen für die Refluxkrankheit – eine säurebedingte Entzündung der Speiseröhre

Wozu ist die Magensäure eigentlich gut?
- Täglich werden 2 Liter Verdauungssaft im Magen gebildet. Magensäure ist ziemlich sauer ( sie zerfrisst sogar Metall)
- Sie schützt den Körper wirkungsvoll vor Parasiten, Bakterien
- Durch ihr saures Milieu ermöglicht es dem Pepsin (eiweißabbauendes Enzym) zu wirken ( optimaler PH 1-3)

Aber warum kann sie dann zu einem Problem für uns werden?
- Die Magenwand selbst ist durch eine spezielle Schleimschicht ( Mucin, in Nebenzellen gebildet) gegen die Säure geschützt, aber nicht die Speiseröhrenzellen
- Kommt die Speiseröhre mit der Säure in Berührung kommt es zum Sodbrennen

Wie kommt es dazu, dass die Säure in die Speiseröhre gelangt?
- Normalerweise verhindert der Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre das Eindringen der Magensäure. Bei jedem Schluck öffnet sich das Ventil kurz und lässt Nahrung und Flüssigkeit passieren. Danach schließt der Muskel ab, - so fest, dass er sogar zuverlässig funktioniert wenn man einen stundenlangen Kopfstand machen würde....unsere Nahrung passiert sozusagen eine Einbahnstraße..
- Wird das Ventil, das Speiseröhre von Magen trennt, undicht, so steigt wie aus einem Fahrradschlauch Luft nach außen entweicht, ätzender Magensaft in die Speiseröhre
- Bis zu einem gewissen Maße schafft es die Speiseröhre sich dagegen zu wehren, indem sie mit pumpenden Bewegungen die aggressive Flüssigkeit wieder in den Magen befördert, doch auf die Dauer reizt der Magensaft die Speiseröhre so sehr, dass sich deren empfindliche Schleimhaut entzündet. Die Folge: SODBRENNEN

2. Wie äußert sich das Säureproblem?

• saures Aufstoßen
• brennendes, unangenehmes Gefühl
• Schluckbeschwerden
• Oberbauchbeschwerden
• Schmerzen hinter dem Brustbein
• Ständiger Husten und/ oder Heiserkeit


3. Dem Brennen auf der Spur – Ursachen

RisikoFaktoren, die der Mensch beeinflussen kann
- Stress
- Hohe Belastung
- Fettreiche Ernährung – Übergewicht
- Übermäßiger Konsum von Nikotin, Coffein und Alkohol
Medizinische Ursachen
- Schwacher Speiseröhrenmuskel
- Zu kurzer Schließmuskel
- Zwerchfelldurchbruch
- Magengeschwür
- Gastritis ( Magenschleimhautentzündung)

Vorher mit Kunde abklären, welche Arzneimittel er einnimmt
- Nebenwirkung von Arzneimitteln
Folgende AM erhöhen z.B. die Magensaftproduktion
 cholesterinsenkende Mittel
 kaliumhaltige Arzneimittel
 Acetylcystein ( Hustenlöser)
 Antibiotika ( z,B. Doxicyclin )
 Theophyllin ( Asthmamittel )




5. Dem Brennen keine Chance – Was man dem Kunden raten kann

1. Übergewicht reduzieren  jedes Kilo mehr erhöht den Druck auf den Bauchraum – und damit den Mageninhalt in Richtung Speiseröhre ( Tipp: BMI errechnen (Körpergewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat): empfohlen 20-25)
2. Mehrere kleine Mahlzeiten ( 5-6) über den Tag verteilt zu essen  Magen produziert dann weniger Säure als bei einer üppigen Mahlzeit
3. Die letzte Mahlzeit sollte spätestens 2-3 Stunden vor dem Schlafengehen erfolgen
4. Nicht zu fettig essen: starkes Anbraten, Rösten oder Frittieren von Speisen meiden, da der Magen für die Fettverdauung viel Säure produzieren muss
5. Eiweiß- und Ballaststoffreiche Lebensmittel bevorzugen
6. Speisen und Getränke sollten gut temperiert sein
7. Nach dem Essen nicht sofort hinlegen. Liegen begünstigt den Rückfluss der Magensäure. Beim Schlafen darauf achten, dass der Oberkörper leicht erhöht liegt  bergauf hat es die Säure schwerer
8. Schweres Heben und Tragen von enger Kleidung, Gürtel meiden  erhöhen den Druck auf den Bauchraum
9. zum Stressabbau: Spaziergänge, Yoga u.a. Entspannungstechniken
10. Stilles Wasser und Kamillentee verdünnen die Magensäure, trockenes Weißbrot saugt sie auf
11. mindestens 2 Liter täglich trinken
12. Sodbrennen tritt häufig in Schwangerschaft auf, da der Embryo auf den Magen drückt und die veränderte Hormonsituation den Muskelverschluss erschlaffen lässt  andere Risikofaktoren ausschließen!

6. mit Vorsicht genießen – welche Lebens- / Genussmittel sollte man meiden?
1. Koffein, Alkohol und Nikotin schwächen den Speiseröhrenverschluss und regen die Magensaftproduktion an
2. Süßigkeiten schwächen den Verschlussmuskel und verlängern die Verweildauer von Speisen im Magen
3. Hülsenfrüchte und Pilze liegen besonders lange im Magen,(Spitzenreiter: Ölsardinen  9Stunden)
4. Pfefferminztee verringert die Muskelspannung
5. Zitrusfrüchte/säfte, scharfe Gewürze , Tomaten und Zwiebeln reizen die Schleimhaut und verschlimmern das Brennen
6. Kaffee ( auch koffeinfreier!) und schwarzer Tee je nach Verträglichkeit einschränken, Säurearme Kaffesorten bevorzugen
7. kohlensäurehaltige Getränke verstärken die Beschwerden
8. Milch kurbelt ebenfalls die Säureproduktion an, daher meiden!

7. Arzneimittel gegen Sodbrennen

ANTACIDA
 freiverkäuflich  bei leichten / nur gelegentlichen Beschwerden, eigenen sich nicht bei dauerhaften Beschwerden
- basische Verbindungen wie Carbonate, Aluminium- bzw. Magnesiumverbindungen oder Kombis, oder Schichtgitterantacida wie Magaldrat und Hydrotalcid
Wirkung: Neutralisation der überschüssigen Säure
Wirkdauer: hält 1-3 h an, schnelle Wirkung
Schwangerschaft und Stillzeit: im ersten Triminon (bis 3. Monat ) kontraindiziert
Wechselwirkungen: Antacida können die Resorption anderer Arzneimittel ( Tetracycline, Penicilline, Digoxin, Fe-Präparate, H2-Blocker) beeinflussen
Einnahmehinweise:
 zeitversetzt zu anderen AM nehmen, mind. 2 h Abstand
 1-3 Stunden nach der Mahlzeit
 Gel wirkt Schneller als Tabletten
 Unmittelbar vor dem Schlafengehen eine Dosis nehmen ( auch doppelte Dosis möglich bei schlimmen Beschwerden)
 Oft sind ED der FAM unterdosiert ( Neutralisationskapazität beachten!)
 Tabletten gut zerkauen, da die Oberfläche der geschluckten Tablettenteilchen entscheidend ist für den Wirkungseintritt (gr. Oberfläche = gut zerkaut = schneller Wirkungseintritt )

a) Carbonate
• Natriumhydrogencarbonat = Natron  Bullrich Salz
 bei der Neutralisation entsteht CO²  Völlegefühl, Aufstoßen
 Magen reagiert auf die übermäßig Neutralisation mit einer Hypersekretion von Säure  acid-rebound-effekt  Teufelskreis
 Alkalose ( zu hoher Blut pH )
 Blut im Stuhl, Nierensteinbildung, Wasserretention
 nicht empfehlenswert
• Calciumcarbonat ( mit Mg-Carbonat in  Rennie)
 entwickelt nur wenig CO²
 weniger NW als bei Natron ( kreideartiger Geschmack, Opstipation)
 meist in Kombi mit Mg-Salzen
b) Aluminium – Verbindungen ( z.B. in Kompensan)
- zusätzlich adsorptive Bindung  Aluminiumchlorid entsteht  wirkt adstringierend
- Teil der Al-Ionen wird an Phosphate und Schleimstoffe gebunden, deshalb bei langer Anwendung: Opstipation und Phosphatmangel
- Dialysepatienten mit schwerer Niereninsuffizienz kontraindiziert  Al lagert sich in Hirnsubstanz an
- für Kindern unter 6J. ungeeignet ( Phosphatmangel )
- Längere Wirksamkeit als Mg-Verbindungen
> Al-hydroxid in Kombi mit Alginsäure: Gaviscon®
- hat geringere Dichte, schwimmt im Magen oben geht zuerst in die Speiseröhre und bildet dort Schutzfilm
c) Magnesiumverbindungen ( zB. In Almag®)
- stärker säureneutralisierend als Al-Verbindungen
- Magnesiumchlorid entsteht --´> wirkt laxierend  Durchfall
d) Aluminium-Magnesium-Kombinationen ( Maaloxan®, Progastrit®
- vereint positive Effekte ( schnell wirksam dank Mg, langwirksam dank Al, NW heben sich auf )
- zusätzlich Bindung von Gallensäuren und Schleimhautschutz
e) Schichtgitterantacida
 Hydrotalcid ( Talcid®, Talidat®
 Magaldrat (Riopan®)
- gibt es in Gel und Tablettenform
- schnelle Säureneutralisation
- bindet Pepsin und Gallensäuren
- bilden Schutzfilm, der lange beständig ist ( stimulieren Prostaglandinsynthese  MucinAusschüttung )
- erhöhen die Viskosität des Magenschleims
- geringe Gefahr resorptiver Nebenwirkungen
H-2 –Blocker
- eigentlich verschreibungspflichtig, aber die Wirkstoffe Ranitidin und Famotidin sind mit Einschränkungen in Dosierung, Anwendungszeit, und erst ab 16 zur Selbstmedikation freigegeben
- blockieren kompetetiv die H²-Rezeptoren des Histamins an den Belegzellen der Magenschleimhaut , dadurch hemmen sie bis zu 12 h lang die Säureproduktion  vorteilhaft bei nächtlichen Beschwerden
- in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert ( geht in Muttermilch über)
- zusätzlich schmerzstillende Wirkung  Gefahr, dass mögl. Magenerkrankungen nicht wahrgenommen werden und unbehandelt bleiben  daher nie länger als 2 Wochen einnehmen und unter ärztlicher Kontrolle
- Dosis: 1x tgl eine Tbl., nie länger als 14 Tage anwenden
- Nebenwirkungen: Schwindel, Durchfall, Bradykardie, Hautausschläge)
 Ranitidin : (Zantic® 75mg )
 Famotidin: ( Pepcid akut®, 10mg)
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