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Alt 27.06.2003, 17:19   Hay'sche Trennkost Beitrag #9
Gast5
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Beiträge: n/a
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Schade,

mit diesem Thread wurde mir gerade eine Philosophie zerstoert, denn ich bin seit letztem Jahr erfolgreicher Trennkoestler, allerdings nicht aus diaetischen Grund, sondern, weil es sich einfach logisch angehoert hat und ich es meinem Koerper so einfach wie moeglich machen moechte.

Na ja, dass war ja dann wohl ein dicker 'Zooonk'.

Ciao,
Carsten
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Alt 27.06.2003, 20:27   Hay'sche Trennkost Beitrag #10
anya74
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 20.02.2003
Ort: Ein Nordlicht in München
Beiträge: 184
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Hallo Carsten!

Tut mir leid, wenn wir Dich desillusioniert haben!

Da Du ja persönliche Erfahrungen mit dieser Kostform hast, würde mich einmal interessieren, wie es Dir in dieser Zeit damit (er-)ging. Hast Du Dich z.B. besser oder leistungsfähiger gefühlt oder...? Hast Du den Einduck, daß sie Dir "geholfen" - wobei auch immer - hat?

Ich hoffe, Du magst ein wenig davon berichten!? Mich interessiert es wirklich brennend, mal von einem "Anwender" etwas aus erster Hand zu erfahren!

Viele Grüße, Anya74
anya74 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.06.2003, 09:06   Hay'sche Trennkost Beitrag #11
Gast5
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Beiträge: n/a
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Ok guys and gals,

dann will ich mal loslegen und ueber meine letzten Ernaehrungskapriolen berichten. Also ich bin seit fast 5 Jahren Lactovegetarier und im letzten Jahr, auf meinem inzwischen 15 monatigen Fahrradtrip habe ich zufaellig ein Buch in die Haende bekommen (oeffentliche Buecherei), in dem ich ueber Trennkost erfuhr. Das war zum damaligen Zeitpunkt zwar gar nicht meine Absicht, denn ich wollte mich vielmehr ueber Makrobiotismus informieren aber das Suchverzeichnis im bibliothekseigenen Computer gab dieses Buch aus, weil dazu drei Zeilen zum Stichwort drin stehen. Am Anfang kam ich mir schon ein wenig komisch vor ein typisches "Schoen und schlank in 5 Minuten" Buch zu lesen, bei meinen 185 cm und 62 kg Lebendgewicht. Aber nachdem ich mich in der Bibliothek eingelesen hatte, nahm ich es mit 'nach Hause' denn die Theorie hoerte sich sehr interessant und logisch an und schliesslich ist die Birgit Schrowange schon seit Jahren auf dem Trip . Bei dem Buch mit Namen 'Fit for Life' handelte es sich um eine Weiterentwicklung der Hayschen Methode zu der ich speater auch kurz recherchierte. Die Hauptunterschiede dazu bestehen darin, dass man die Wartezeiten bis zur naechsten Mahlzeit noch weiter ausgedehnt hat (schliesslich sollen die Kaeufer des Buches ja abnehmen).

Hier die Zeiten:
Obst eine halbe Stunde vor einer Hauptmahlzeit (Bananen eine Stunde) bzw.
2 Stunden nach Rohkost,
3 Stunden nach vegetarischem Essen,
4 Stunden nach nichtvegetarischem Essen (Trennkost) und
5 oder 6 Stunden nach nichtvegetarischem Essen (keine Trennkost)

weiterhin duerfen verschiedenartige Proteine nicht gemixt werden (Milch, Soja), staerkehaltige Produkte jedoch schon. Die Wartezeit zwischen zwei Trennkostmahlzeiten betraegt ca. 3 Stunden.

Ausserdem, sollen bis 12 Uhr nur Fruechte verzehrt werden. Das mit den Fruechten hatte ich auch schon mal irgendwo anders gehoert, dass scheint demnach von verschiedenen Ernaehrungstheorien adaptiert worden zu sein.

Nun zum praktischen Teil: Da ich nach Erhalt des Buches fuer ca. zwei Wochen bei Bekannten rastete lief alles gut an, und ich hielt mich sehr streng an die Regularien. Dies bedeutete natuerlich eine radikale Umstellung meiner Ernaehrung, denn mein Speiseplan hatte sich durch die Anforderungen der taeglichen Ausdauerbelastung auf folgende Mahlzeiten eingepegelt.

6:30 600 ml Griessbrei oder Reisbrei mit Nuessen und Rosinen
8:00 500 ml Muesli mit Trockenmilch und Honig
10:00 1 Stueck Obst
11:30 Mittag (vorgekocht vom letzen Abend) Nudeln oder Reis mit Gemuese
15:00 1 Stueck Obst
17:30 Abendessen Nudeln oder Reis mit Gemuese
19:00 500 ml Ovomaltine mit Trockenmilch und Honig

Mit diesem Speiseplan hatte ich das Gefuehl gut ueber den Tag zu kommen, ohne das meine Energiekurve zu stark absackte. Was natuerlich ziemlich mager ausfaellt sind die Proteine und Fette, allerdings habe ich pro Woche mindestens 500 ml kaltgepresstes Olivenoel und 500 g Kaese verbraucht, dass ich an's Mittag bzw. Abendessen gekippt bzw. geschnitten habe.

Dieser Plan musste jetzt an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Nachdem ich wieder auf der Strasse war, sah ich sehr schnell ein, dass ich aus psychologischen und transporttechnischen Gruenden die Regel der ausschliesslichen Ernaehrung durch Obst bis 12 Uhr nicht einhalten konnte. Also kam ich zurueck zum Reis- bzw. Griessbrei und Muesli (beides Kohlenhydrate) die ich nur mit soviel Milchpulver anreicherte, dass das zugefuegte Wasser leicht milchig aussah (psychologischer Effekt). Kurz vor Mittag hatte ich dann das Stueck Obst und zum Mittag das Uebliche, allerdings ohne Kaese. Drei Stunden spaeter das zweite Stueck Obst und dann das Abendessen und der anschliessenden Ovomaltine fuegte ich auch wieder fast kein Milchpulver zu.

Mit dieser Umstellung machte ich mir ueber meine Proteinzufuhr echte Sorgen aber es ist in der Regel so, dass man vor allen Dingen unterwegs als Lactovegetarier nur schwierig eine Vollmahlzeit aus Proteinen herstellen kann (Sojaprotein kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht und Tofu war nur sehr schwierig erhaeltlich, da ich Grossstaedte in der Regel umfuhr). Ich versuchte also am Nachmittag das Obst manchmal wegzulassen und mir Kaese mit Reiskrackern reinzuschieben aber so die Idealloesung war das auch nicht.

Seit 3 Monaten bin ich nun in Asien unterwegs und auch hier musste wieder am Speisepaln geschraubt werden um. Zum ersten Fruehstueck gab es Reisbrei, drei Stunden spaeter Obst bis kurz vor Mittag. Mittags dann Reis mit Gemuese und drei Stunden spaeter Obst, dann etwa einen halben Liter Sojamilch und am Abend wieder Reis mit Gemuese. Wenn mal ein Streifen Tofu mit auf dem Mittagsteller lag, dann ass ich den natuerlich mit. Mit diesem Plan hatte ich den Eindruck, zu wenig Fette aufnehmen, weil es keine Nuesse bzw. Mandeln in Asien gibt, die ich in Australien kiloweise verzehrt habe. Nur Erdnuesse gibt es, aber die esse ich aufgrund der schweren Verdaulichkeit aus Prinzip nicht.

Wie ihr seht, war ich nicht hundertprozentig strickt. Aus diesem Grund und auch deshalb weil mein Ernaehrungsplan schon vor der Umstellung relativ gut angepasst war, konnte ich eigentlich keine Verbesserung oder Verschlechterung meiner Performance feststellen. Lediglich psychologisch fuehlte ich mich 'sauberer'.

Nun bin ich aufgrund einer Verletzung fuer die naechsten Monate in Thailand weil ich's nicht mehr rechtzeitig vor Winteranfang ueber den Himalaya schaffe. Da ich die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen will, habe ich einen alte Idee in die Tat umgesetzt und in einem buddhistischen Tempel ordainiert. Aufgrund der Ernaehrungsvorschriften die besagen, dass nach 12 Uhr Mittags keine feste Nahrung mehr aufgenommen werden darf, musste ich wieder umstellen.

Der Plan sah folgendermassen aus:

7:30 Uhr Reis mit Gemuese (daran muss man sich erstmal gewoehnen )
10:30 Obst
11:00 Reis mit Gemuese
Oft hatte ich dann entgegen der Vorschriften am Nachmittag noch etwas Obst und gegen Abend ca. 300 ml Sojamilch.

Da ich aus persoenlichen Gruenden gerade noch mal den Tempel wechsle und dort nur eine Mahlzeit pro Tag erlaubt ist und auch keine 'Sondereinlagen' mehr moeglich sind, habe ich mir schon echte Gedanken gemacht, wie ich das realisieren soll, denn auch die Sojamilch am Abend muss gestrichen werden. Das einzige was ich versuche mit dem Abbot abzuregeln ist, dass ich mein Obst eine halbe Stunde vor der Hauptmahlzeit einnehmen darf.

Im Buch war im uebrigen eine sehr schluessige Erklaerung darueber enthalten, dass wir Menschen urspruenglich eigentlich Obstesser waren und das uns eine ausgewogene Ernaehrung auf reiner Fruchtbasis mit allen Naehrstoffen in genau den richtigen Quantitaeten versorgt die wir benoetigen (Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Mineralien, Vitamine, und Spurenelemente). Ausserdem wurde beschrieben, weshalb Obst bzw. auch Getraenke nicht mit der Hauptmahlzeit, sondern in einem bestimmten Abstand davon eingenommen werden sollten. Deshalb werde ich diese Regel auch erst mal beibehalten.

Fuer die Zukunft:
Sobald es mit dem Fahrrad weitergeht, stelle ich ernaehrungstechnisch natuerlich wieder um, schliesslich muss ich mich an die Ausdauerbelastung sowie die Versorgungslage anpassen. Auch das Wetter wird bei der Ueberquerung des Himalaya einen Einfluss auf meine Nahrungsmittelaufnahme haben (Mehr Fette, fragt sich nur wie. Ich hab's Yakbuttertee - yummie ). Zu Hause stelle ich dann auf eine reine Ernaehrung durch Fruechte bis 12 Uhr Mittags um, zumindest wenn ich mir das als Student in Deutschland noch leisten kann.

Soviel erstmal von hier.

Fragen, Anregungen sowie Gegenargumente sind stehts willkommen.

Cheers,
Carsten
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Alt 31.07.2003, 00:03   Hay'sche Trennkost Beitrag #12
Tiffy
Neuer Benutzer
 
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Beiträge: 21
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Ja, denn gebe ich auch nochmal meinen Senf dazu. Also, die Trennkost nach Herrn Hay kann man ja in Fachbüchern nachlesen. Nur handelt es sich hierbei nicht um wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse. Das Ganze basiert auf Vermutungen und Annahmen. Grundsätzlich kann man keine Lebensmittel in drei Hauptnährstoffen unterscheiden. Es gibt kaum ein Lebensmittel, welches nur Protein, Fett oder KH enthält. Der Erfolg beruht darauf, dass viel getrunken wird und viel Rohkost zu sich genommen wird. Dass die Trennung der Hauptnährstoffe eine verbesserte Resorption bewirkt ist fraglich bzw. Humbug. Ganz im Gegenteil: die Aufnahme von Nährstoffen wird sogar durch die Gesamtheit und das Zusammenspiel verschiedener Nährstoffe verbessert. Natürlich gibt es auch Hemmstoffe in der Nahrung, aber die ganze Trennkostgeschichte ist doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Jedoch funktioniert sie tatsächlich bei einigen Leuten. Ich denke auch, dass das darauf beruht, dass man sich mit der Nahrungsaufnahme auseinandersetzt und einfach insgesamt gesünder isst. Dass es auf der "Trennung" der einzelnen Nährstoffe beruht ist wissenschaftlich nicht bewiesen worden und auch im Prinzip unlogisch. Wem es trotzdem hilft, bitteschön. Solange auf eine Ausgewogenheit geachtet wird ist es ok. Es handelt sich hierbei immerhin nicht um eine gefährliche Diät.

Dass wir Menschen nur Obstesser sind, wage ich zu bezweifeln. Es gibt viele Theorien in dieser Richtung. Tatsache ist aber, dass wir "Allesfresser" sind und wir wichtige Nährstoffe aus tierischen Nahrungsmitteln ziehen. Sicherlich kann man sich auch rein vegan ernähren. Jedoch benötigt man dafür das know how und geschickte Kombinationen. Ein interessantes Thema, welches man lange und ausführlich diskutieren kann.
Tiffy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.11.2003, 23:20   Hay'sche Trennkost Beitrag #13
Heidi
Benutzer
 
Registriert seit: 20.10.2002
Beiträge: 30
Standard

Hallo Carsten, das muss auch mal gesagt werden: ich finde es toll, dass Du Dir als Sportler so viele Gedanken machst über Deine Ernährung und Dich dann auch so konsequent daran hältst, egal wo Du bist. Es würde mich interessieren, wohin Dich Deine Fahrradtour gebracht hat, wo Du jetzt bist?
Heidi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.01.2004, 08:13   Hay'sche Trennkost Beitrag #14
Gast5
Gast
 
Beiträge: n/a
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Hey Heidi,

erstmal alles gute zum neuen Jahr! Die Weiterreise mit dem Fahrrad habe ich zugunsten meiner spirituellen Entwicklung abgesagt und die letzten 7 Monate in einem buddhistischen Kloster im Nordosten Thailands verbracht.

Ernaehrungsmaessig sieht die Situation hier folgendermassen aus:

Es gibt eine Mahlzeit am Tag die in max. 25 Minuten eingenommen sein muss. (jetzt stellen sich den Ernaehrungsexperten bestimmt die Nackenhaare auf). Die Auswahl ist, vor allen Dingen im Vergleich mit anderen Klostern, hervorragend und es ist mir leicht moeglich mich lactovegetarisch zu ernaehren. Wobei ich gerade in der Obstabteilung und bei tofuhaltigen Gerichten ordentlich zuschlage.

Allerdings habe ich durch den veraenderten Belastungszustand anfangs ein paar Kilo (4) zugenommen, denn meine Anfrage mit dem Rad Runden um's Kloster fahren zu duerfen wurde abgeschlagen .

Das Gewicht hat sich inzwischen wieder eingependelt. Interessant ist jedoch, dass die Umstellung von 5 Mahlzeiten auf eine Mahlzeit pro Tag insgesamt so unproblematisch verlief - koennte man glatt als neuen Diaettrend verkaufen

In wenigen Tagen werde ich hier die Segel streichen und dann geht's ziemlich straight back home - allerdings per Flugzeug, damit ich rechtzeitig meine Bewerbungen fuer's OET - Studium versenden kann.

Liebe Gruesse,
Carsten
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