Ok guys and gals,
dann will ich mal loslegen und ueber meine letzten Ernaehrungskapriolen berichten. Also ich bin seit fast 5 Jahren Lactovegetarier und im letzten Jahr, auf meinem inzwischen 15 monatigen Fahrradtrip habe ich zufaellig ein Buch in die Haende bekommen (oeffentliche Buecherei), in dem ich ueber Trennkost erfuhr. Das war zum damaligen Zeitpunkt zwar gar nicht meine Absicht, denn ich wollte mich vielmehr ueber Makrobiotismus informieren aber das Suchverzeichnis im bibliothekseigenen Computer gab dieses Buch aus, weil dazu drei Zeilen zum Stichwort drin stehen. Am Anfang kam ich mir schon ein wenig komisch vor ein typisches "Schoen und
schlank in 5 Minuten" Buch zu lesen, bei meinen 185 cm und 62 kg Lebendgewicht. Aber nachdem ich mich in der Bibliothek eingelesen hatte, nahm ich es mit 'nach Hause' denn die Theorie hoerte sich sehr interessant und logisch an und schliesslich ist die Birgit Schrowange schon seit Jahren auf dem Trip

. Bei dem Buch mit Namen 'Fit for Life' handelte es sich um eine Weiterentwicklung der Hayschen Methode zu der ich speater auch kurz recherchierte. Die Hauptunterschiede dazu bestehen darin, dass man die Wartezeiten bis zur naechsten Mahlzeit noch weiter ausgedehnt hat (schliesslich sollen die Kaeufer des Buches ja
abnehmen).
Hier die Zeiten:
Obst eine halbe Stunde vor einer Hauptmahlzeit (Bananen eine Stunde) bzw.
2 Stunden nach Rohkost,
3 Stunden nach vegetarischem Essen,
4 Stunden nach nichtvegetarischem Essen (Trennkost) und
5 oder 6 Stunden nach nichtvegetarischem Essen (keine Trennkost)
weiterhin duerfen verschiedenartige Proteine nicht gemixt werden (Milch, Soja), staerkehaltige Produkte jedoch schon. Die Wartezeit zwischen zwei Trennkostmahlzeiten betraegt ca. 3 Stunden.
Ausserdem, sollen bis 12 Uhr nur Fruechte verzehrt werden. Das mit den Fruechten hatte ich auch schon mal irgendwo anders gehoert, dass scheint demnach von verschiedenen Ernaehrungstheorien adaptiert worden zu sein.
Nun zum praktischen Teil: Da ich nach Erhalt des Buches fuer ca. zwei Wochen bei Bekannten rastete lief alles gut an, und ich hielt mich sehr streng an die Regularien. Dies bedeutete natuerlich eine radikale Umstellung meiner
Ernaehrung, denn mein Speiseplan hatte sich durch die Anforderungen der taeglichen Ausdauerbelastung auf folgende Mahlzeiten eingepegelt.
6:30 600 ml Griessbrei oder Reisbrei mit Nuessen und Rosinen
8:00 500 ml Muesli mit Trockenmilch und Honig
10:00 1 Stueck Obst
11:30 Mittag (vorgekocht vom letzen Abend) Nudeln oder Reis mit Gemuese
15:00 1 Stueck Obst
17:30 Abendessen Nudeln oder Reis mit Gemuese
19:00 500 ml Ovomaltine mit Trockenmilch und Honig
Mit diesem Speiseplan hatte ich das Gefuehl gut ueber den Tag zu kommen, ohne das meine Energiekurve zu stark absackte. Was natuerlich ziemlich mager ausfaellt sind die Proteine und Fette, allerdings habe ich pro Woche mindestens 500 ml kaltgepresstes Olivenoel und 500 g Kaese verbraucht, dass ich an's Mittag bzw. Abendessen gekippt bzw. geschnitten habe.
Dieser Plan musste jetzt an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Nachdem ich wieder auf der Strasse war, sah ich sehr schnell ein, dass ich aus psychologischen und transporttechnischen Gruenden die Regel der ausschliesslichen Ernaehrung durch Obst bis 12 Uhr nicht einhalten konnte. Also kam ich zurueck zum Reis- bzw. Griessbrei und Muesli (beides Kohlenhydrate) die ich nur mit soviel Milchpulver anreicherte, dass das zugefuegte Wasser leicht milchig aussah (psychologischer Effekt). Kurz vor Mittag hatte ich dann das Stueck Obst und zum Mittag das Uebliche, allerdings ohne Kaese. Drei Stunden spaeter das zweite Stueck Obst und dann das Abendessen und der anschliessenden Ovomaltine fuegte ich auch wieder fast kein Milchpulver zu.
Mit dieser Umstellung machte ich mir ueber meine Proteinzufuhr echte Sorgen aber es ist in der Regel so, dass man vor allen Dingen unterwegs als Lactovegetarier nur schwierig eine Vollmahlzeit aus Proteinen herstellen kann (Sojaprotein kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht und Tofu war nur sehr schwierig erhaeltlich, da ich Grossstaedte in der Regel umfuhr). Ich versuchte also am Nachmittag das Obst manchmal wegzulassen und mir Kaese mit Reiskrackern reinzuschieben aber so die Idealloesung war das auch nicht.
Seit 3 Monaten bin ich nun in Asien unterwegs und auch hier musste wieder am Speisepaln geschraubt werden um. Zum ersten Fruehstueck gab es Reisbrei, drei Stunden spaeter Obst bis kurz vor Mittag. Mittags dann Reis mit Gemuese und drei Stunden spaeter Obst, dann etwa einen halben Liter Sojamilch und am Abend wieder Reis mit Gemuese. Wenn mal ein Streifen Tofu mit auf dem Mittagsteller lag, dann ass ich den natuerlich mit. Mit diesem Plan hatte ich den Eindruck, zu wenig Fette aufnehmen, weil es keine Nuesse bzw. Mandeln in Asien gibt, die ich in Australien kiloweise verzehrt habe. Nur Erdnuesse gibt es, aber die esse ich aufgrund der schweren Verdaulichkeit aus Prinzip nicht.
Wie ihr seht, war ich nicht hundertprozentig strickt. Aus diesem Grund und auch deshalb weil mein Ernaehrungsplan schon vor der Umstellung relativ gut angepasst war, konnte ich eigentlich keine Verbesserung oder Verschlechterung meiner Performance feststellen. Lediglich psychologisch fuehlte ich mich 'sauberer'.
Nun bin ich aufgrund einer Verletzung fuer die naechsten Monate in Thailand weil ich's nicht mehr rechtzeitig vor Winteranfang ueber den Himalaya schaffe. Da ich die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen will, habe ich einen alte Idee in die Tat umgesetzt und in einem buddhistischen Tempel ordainiert. Aufgrund der Ernaehrungsvorschriften die besagen, dass nach 12 Uhr Mittags keine feste Nahrung mehr aufgenommen werden darf, musste ich wieder umstellen.
Der Plan sah folgendermassen aus:
7:30 Uhr Reis mit Gemuese (daran muss man sich erstmal gewoehnen

)
10:30 Obst
11:00 Reis mit Gemuese
Oft hatte ich dann entgegen der Vorschriften am Nachmittag noch etwas Obst und gegen Abend ca. 300 ml Sojamilch.
Da ich aus persoenlichen Gruenden gerade noch mal den Tempel wechsle und dort nur eine Mahlzeit pro Tag erlaubt ist und auch keine 'Sondereinlagen' mehr moeglich sind, habe ich mir schon echte Gedanken gemacht, wie ich das realisieren soll, denn auch die Sojamilch am Abend muss gestrichen werden. Das einzige was ich versuche mit dem Abbot abzuregeln ist, dass ich mein Obst eine halbe Stunde vor der Hauptmahlzeit einnehmen darf.
Im Buch war im uebrigen eine sehr schluessige Erklaerung darueber enthalten, dass wir Menschen urspruenglich eigentlich Obstesser waren und das uns eine ausgewogene Ernaehrung auf reiner Fruchtbasis mit allen Naehrstoffen in genau den richtigen Quantitaeten versorgt die wir benoetigen (Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Mineralien, Vitamine, und Spurenelemente). Ausserdem wurde beschrieben, weshalb Obst bzw. auch Getraenke nicht mit der Hauptmahlzeit, sondern in einem bestimmten Abstand davon eingenommen werden sollten. Deshalb werde ich diese Regel auch erst mal beibehalten.
Fuer die Zukunft:
Sobald es mit dem
Fahrrad weitergeht, stelle ich ernaehrungstechnisch natuerlich wieder um, schliesslich muss ich mich an die Ausdauerbelastung sowie die Versorgungslage anpassen. Auch das Wetter wird bei der Ueberquerung des Himalaya einen Einfluss auf meine Nahrungsmittelaufnahme haben (Mehr Fette, fragt sich nur wie. Ich hab's Yakbuttertee - yummie

). Zu Hause stelle ich dann auf eine reine Ernaehrung durch Fruechte bis 12 Uhr Mittags um, zumindest wenn ich mir das als Student in Deutschland noch leisten kann.
Soviel erstmal von hier.
Fragen, Anregungen sowie Gegenargumente sind stehts willkommen.
Cheers,
Carsten