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Alt 05.08.2003, 18:52   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #1
anya74
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 20.02.2003
Ort: Ein Nordlicht in München
Beiträge: 184
Standard

Hallo Dirk und hallo @ all!

Toll, daß Du einen Thread zu dem Thema eröffnet hast! Wie Du weißt, interessiere ich mich ja ebenfalls für Eßstörungen... - auch wenn ich nicht "direkt" mit Betroffenen arbeite...

Hmmm,... "Ernährungsfachlaute konnen helfen"... sagst Du...
Ja,... sicher... im Rahmen ihrer Möglichkeiten... Wie ich Dir bereits neulich geschrieben habe, denke ich, daß "wir" Ernährungsfachkräfte lediglich unterstützend - zu der "eigentlichen" Therapie - wirken können. Das Hauptaugenmerk sollte unbedingt auf einer ambulanten oder stationären Psychotherapie (Einzelgespräche bzw. Gruppentherapie) liegen...

Bei einer Eßstörung geht es ja nicht vordergründig darum, das falsche Eßverhalten zu korrigieren, sondern es geht um eine "allgemeine" Verhaltensänderung bzw. der Aufarbeitung bestimmter Erlebnisse in der Vergangenheit.... Das Hungern bei Anorexie, das Erbrechen bei Bulimie oder das viele Essen bei Adipositas sind ja "nur" ein Ausdruck dafür, daß etwas nicht stimmt... Eine Modifikation des Eßverhaltens, eine Gewichtszunahme oder -abnahme bedeuten ja noch längst keine Heilung. Es muß nicht in erster Linie das Symptom therapiert werden, sondern die Urasche(n)!

Als OecotrophologInnen (oder DiätassistentInnen ) können wir den Patienten sicherlich dabei helfen, (wieder) ein gesünderen Umgang mit den Lebensmitteln bzw. dem Essen zu erlernen. Wir können die Betroffenen unterstützen, in dem wir sie in der Lehrküche ihr eigenes Essen zubereiten lassen, damit sie z.B. wieder lernen, was "normale" Portionsgrößen sind o.ä.

Ich kenne noch die folgenden Links:

http://www.magersucht.de

http://www.fz-ess-stoerungen.de

Ich bin definitiv der Meinung, daß das Gewicht nichts - naja,... fast nichts - darüber aussagt, ob ein(e) Betroffene(r) geheilt ist! Viel mehr spielt das Fühlen und Denken der Patienten eine entscheidende Rolle. In wie weit wurde "Abschied genommen" von den alten (kranken) Verhaltensmustern? Wie ist die Selbstwahrnehmung? Und so weiter...

Soweit erst einmal meine Ansichten... Ich bin gespannt, was die anderen meinen...


Liebe Grüße, Anja[Bearbeitet am: 5/8/2003 von anya74]
anya74 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2003, 19:06   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #2
Tiffy
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 24.07.2003
Beiträge: 21
Standard

Hallöchen!
Also, ich stimme darin überein, dass eine Beratung durch den Ernährungsberater/in nicht alleine ausreichen kann. Bei Esstörungen handelt es sich um krankhafte Verhaltensweisen, die in einem ganzheitlichen Konzept behandelt werden müssen. Psychotherapie mit der Einzelperson sowie in der Gruppe sind nötig. Gerade in der Gruppe ist es wichtig, Erfahrungen austauschen zu können und sich gegenseitig zu motiveren. Und Motivation steht natürlich am Anfang. Ohne ein "Wollen" des Betroffenen kann man gar nichts machen.
Das mit der Evaluierung ist so eine Sache, schwierig. Da das Ganze ein langwieriger Prozess ist, ist eine Messung des Erfolges immer problematisch, leider. Es muss ein neues Essverhalten erlernt werden, ein gesunder Umgang mit Essen, seinem eigenen Gewicht und mit sich selbst als Persönlichkeit.
Es ist ein Lernprozess, der nie ganz abgeschlossen sein wird und so gut wie lebenslang nötig ist. Es spielen so viele verschiedene Faktoren eine Rolle dabei, warum es zu Esstörungen kommt. Tausenderlei mögliche Ursachen lassen sich aufzählen. Das ist ja auch das Problem bei der Ernährungsberatung. Eine schnelle Lösung gibt es nicht, wenn man auf die Gesundheit achtet und vernünftig etwas ändern will. Eine lange und gute und vor allem ständige Betreuung ist die einzig vernünftige Lösung für solche Probleme. Habe jetzt soviel getippt, muss erstmal gucken, ob ich nicht zu viel durcheinander geschrieben habe. Dann gebe ich vielleicht nochmal meinen Senf dazu!
Tiffy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2003, 22:32   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #3
Jessica
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 27.06.2002
Beiträge: 139
Standard

Hallo
Es klingt vieleicht dumm von mir. Aber warum liest man immer wieder, auch in Büchern und Zeitschriften, die eigentlich recht glaubwürdig sind, solchen "Unsinn"? das Menschen mit einem BMI unter 17 als Magersüchtig eingestuft werden müssen oder eher Magersüchtig sind?
Das ist nach meiner Sicht absoluter Blödsinn oder?
Gruß Jessica
Jessica ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.08.2003, 10:51   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #4
Nadia
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2003
Beiträge: 7
Standard

Hallo ihr Lieben,
ich habe da noch ein paar nützliche links im Angebot:
www.bulimie.de od. www.anorexie.de
www.hungrig-online.de
www.bzga.de
www.anad-pathways.de
www.aktionmut.de
www.praevention-von-essstoerungen.de

Zu dem gab es einmal -und das stell ich auch zur Diskussion- in der Rheinischen Post ein Statement der DGE zum Thema. Stichwort "Bei Ess-Störungen reine Ernährungstherapie machtlos" oder so ähnlich. Der Artikel läßt sich , glaub ich bei der DGE im Archiv finden (2001).
Liebe Grüße
Nadia
Nadia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.08.2003, 12:30   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #5
Dirk
Benutzer
 
Registriert seit: 20.06.2003
Beiträge: 65
Standard

Schön, dass so viele Quellen zusammen kommen.

Es war ja sehr gewagt von mir zu behaupten, dass E-Fachkräfte helfen können. Das seht Ihr anscheinend auch so. Glaubt Ihr denn, dass eine weitere Qualifikation da was bringen würde, um die rechte Hand eines/r Therapeuten zu werden?
Und eben nicht nur "zusätzlich" Hautfalten messen und über Gummibärchen aufklären?!

Gehört da nicht eine kräftige Portion Arbeit an einem selbst dazu? Supervision, Selbstreflexion, Selbsterfahrung? Was meint Ihr?

Kann nicht darauf aufbauend erst eine Lehrküche, wie Anja sie darstellte, greifen?

Kann man, wie Anja beschreibt, auf die Selbstwahrnehmung und Verhaltensmuster der Patienten nicht erst eingehen und diese verstehen, wenn man selbst weiss, wovon man da spricht?

Und, wie Jessica schreibt, wird die Magersucht wohl sehr körperorientiert gesehen, was nach meiner Meinung kein Indiz ist für den Gesundheitszustand der Betroffenen, jedenfalls solange sie ihr alltägl. Leben führen können. Kann sich die DGE zB. nicht auch dazu durchringen, hier ganzhietliche Konzepte anzubieten od. daran mitzuwirken, anstatt physikalische Methoden zur Beschreibung der Krankheit aufzuführen?
Dirk ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.08.2003, 15:12   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #6
Tiffy
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Registriert seit: 24.07.2003
Beiträge: 21
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Hallöle!
Bei solch schwerwiegenden Esstörungen wäre es von Vorteil, wenn man zusätzlich eine psychologische Ausbildung hätte. Eigentlich müsste man Mediziner, Psychologe und Ernährungswissenschaftler sein, um eine effektive Behandlung durchzuführen. Da dies kaum möglich ist, muss ein Zusammenspiel verschiedener Spezialisten ansetzen.
Die BMI- Werte sehe ich auch etwas gespalten. Man kann anhand des BMI natürlich eine Abschätzung vornehmen, aber man kann den BMI niemals isoliert als aussagekräftigen Parameter betrachten. Denn Körpergewicht ist nicht gleich Körpergewicht. Ein Mensch mit verhältnismäßig hohem Muskelanteil wird immer einen zu hohen BMI haben und somit als übergewichtig gelten. Das kann es doch wohl nicht sein, oder?
Tiffy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.08.2003, 18:47   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #7
Dirk
Benutzer
 
Registriert seit: 20.06.2003
Beiträge: 65
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Ein Kernpunkt kristallisiert sich für mich heraus: Ein multidisziplinärer ANsatz!

Tiffy schreibt, dass eine Person all diese Anforderungen wohl kaum erfüllen kann.

Ich hebe das so hervor, weil folgendes bei mir in einem Gesprächskreis einer VDOe Stammtischgruppe angekommen ist:

So erzählte jemand, dass sie als E-Beraterin in einer psych. Praxis arbeiten würde. Ich erhielt den Eindruck, dass die Erfolge d.h. dass die Patienten an der Stange geblieben sind bei der E-Beratung nur sehr moderat seien. Ein etwaiger Erfolg konnte auch nicht gesehen werden, weil die Patienten ja nur ein paar mal in die Beratung kämen und so der Verlauf nicht gesehen wird.

Die E-Beraterin konnte mir nicht verdeutlichen, wie sie ihre eigene Arbeit bewertet. Ich hatte noch nicht mal den Eindruck, dass ein enger Austausch mit dem Therapeuten stattfand.

Da tut sich mir die Frage auf, ob denn die E-Beratung in dieser Form - so isoliert oder nachgeschaltet - überhaupt Sinn macht. Ich habe immer noch die Vision, dass der E-Berater mit dem Menschen über den Menschen reden muss, um dann das Essen zu beleuchten. Genau wie es eine Methode nach Rogers gibt, muss der E-Berater/in doch auch nach einem roten Faden vorgehen.

Meine These also: Es wird möglicherweise hohe Gewinne geben in der Behandlung, wenn die E-Beratung nach verhaltenstherapeutischen Ansätzen arbeitet, aber eben speziell auf diesen Lebensbereich zugeschnitten.
Dirk ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.08.2003, 20:51   Ernährungsfachleute können helfen Beitrag #8
Nadia
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2003
Beiträge: 7
Standard

Hallo,
die Diskussion ist ja richtig ins Rollen geraten. Das finde ich wunderbar, weil es mir quasi aus der Seele spricht und weil ich mich genau aus den hier genannten Gründen für eine beständige Weiterqualifikation entschieden habe. Der Weg der Oecotroph./ Diätassistenten -alleinig und isoliert- die Symptomebene zu beraten/bearbeiten entspricht längst nicht dem was in der Praxis helfen kann und damit meine ich weder der Betroffenen noch der Beraterin/dem Berater. Für sehr empfehlenswert halte ich die Weiterbildung beim Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen, die sich speziell an Ernährungsfachkräfte richtet.
vielleicht ein wenig provokant, aber ... ich sehe das Dilemma in unserer Ausbildung (wobei die mit Sicherheit ganz unterschiedlich aussieht). Ich hätte mir im Studium ein größeres Spektrum an psychologischen Fächern gewünscht oder auch das Angebot einer Klientenzentrierten- Beratungsausbildung nach Rogers. Das hole ich gerade alles nach, um dem Ziel näher zu kommen.
An dieser Stelle möchte ich auch noch etwas anderes aufgreifen und zwar das Selbstbild unserer Profession: Was dürfen wir machen (Beratung) und was nicht (Therapie). Das läßt sich unlängst weiterspinnen. Was meint ihr denn dazu?
liebe grüße nadia

Nadia ist offline   Mit Zitat antworten
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